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Sagen & Mythen

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Viel Vergnügen.


Geschichte
des
Sperlings
Sagen aus Mirbach
Zu
Part I

„Die Mythen und Sagen der Bewohner Mirbachs sind wie ihre Erzähler; naturbezogen, im Einklang mit den Jahreszeiten und stets auf der Hut vor den Gefahren, die allzu sichere Wanderer und Reisende in den Tiefen der mirbacher Wildnis anzutreffen drohen. Zumeist handelt es sich um Abwandlungen derselben Mythen und Sagen, sowie deren Gestalten, wie etwa Trollen, die achtlose Flößer heimsuchen, lockenden Dryaden, die allzu wagemutige Reisende tief in das Herz der Wälder locken, auf dass sie sich dort verirren und einen qualvollen Hungertod erleiden. Auffallend oft ist von einem Erlkönig, oder „Wilden König“ die Rede, der in den ältesten und diffusesten Erzählungen oftmals in Verbindung mit der sogenannten Wilden Jagd steht. Zumeist wird er als hünenhafter Tiermensch oder auch, wenngleich nicht in diesen Worten, als Avatar der Natur dargestellt, der sich mit seinem Gefolge aus Tieren, Fabeln und in manchen Versionen auch Menschen in bestimmten Zeitabständen, die nach Alter der Überleieferung abweichen, auf macht, um eine Jagd auf alle Wesen zu machen, die sich nicht ihres Standes gemäß vor ihm und seiner Heerschar zu hüten wissen. Sie steht traditionsgemäß am Anfang von besonders harschen Wintern und es lässt vermuten, dass sich so die alten Bewohner die Tierwanderungen erklärten. Danach, so heisst es allgemein, lege sich der wilde König für die Spanne einer Winterzeit zur Ruhe, um mit dem Wald im Frühling und Sommer zu erwachen und zu erstarken. Bei meinen nachfolgenden Schriften handelt es sich um möglichst genaue Iterationen besonders prominenter, zeitgenössischer Werke und Niederschriften von Erzählungen, die ich auf meinen Reisen vernommen habe. Die Geschichte des Sperlings und der Tanne
Feder
Zu
Part II
Einst gab es einen Sperling. Er war schon alt, und ein gebrochener Flügel hinderte ihn daran, mit seiner Familie vor der wilden Jagd zu fliehen. Seine Kinder wollten ihn nicht zurücklassen, denn der Winter würde ihn sicherlich erfrieren lassen. „geht“ sprach der Sperling, „Ich finde bei einem der Bäume Obdach und Wärme.“ Und so kam es, dass er, als die ersten Schneeflocken fielen, und er die ersten Rufe zur Wilden Jagd vernahm, die mächtige Eiche fragte: „Eiche, kann ich in deiner dichten Krone Obdach suchen? Ich kann nicht fliegen, und der Winter wird kalt.“ Doch die Eiche verneinte. So zog der Sperling weiter, zur Buche mit ihren großen Blättern. Auch sie fragte er: „Buche, kann ich in deinem Blattwerk den Winter über Obdach suchen?“ Doch auch die Buche wies den kleinen, alten Sperling fort. So wanderte er weiter, erst zur hohen Birke, dem alten Kirschbaum und der knorrigen Weide. Sie alle schickten ihn fort, er solle sich woanders durchbringen lassen. Es fror bereits der Boden, als er die Tanne fragte: „Tanne, der Winter bricht herein, und ich höre des Wilden Königs Horn! Lass mich bei dir Schutz suchen, ich flehe dich an.“ Die Tanne erwiderte: „Es tut mir leid, kleiner Sperling, doch ich habe kein Blattwerk, dass dich zu schützen vermag. Einzig meine stacheligen Nadeln. Sie vermögen dich vielleicht nicht zu schützen, doch gerne lasse ich dich Obdach suchen in ihnen.“
Vogel

Ende
Der Sperling also nistete sich in der Tanne ein. Der Winter war karg und kalt, doch als seine Familie mit der Sonne wiederkehrte, war die Freude groß, denn ihr Vater hatte den Winter dank der Tanne gut überstanden. Das war auch dem Wilden König nicht entgangen. Und so bestrafte er jeden der anderen Bäume für ihren Egoismus, indem er ihnen nun zu jedem Winter das Blätterkleid raubte. Die Tanne jedoch, die nicht viel zu bieten hatte und es trotzdem tat, war von nun an der einzige Baum, dessen grüne Pracht auch den Winter überdauerte.
Baum
Baum


Einer
von
fünf.
Geschichten aus Langenstadt
Zu
Part I

,,Das Feld ist nass, und kalt der Fraß, der Landsknecht ist am Ende.

Und schwer hängt das Fahnentuch, jeeeeetzt ist genug,
und schwer hängt das Fahnentuch, jeeeeetzt ist genug."


RoteBlume
Feder
Zu
Part II

Nur das leichte Prasseln des Nieselregens störte beim Absingen des alten Landsknechtsliedes, das ihm seine Kameraden als sein letztes Geleit mit auf dem Weg gaben, während sie den provisorisch zusammengezimmerten Holzsarg in die feuchte Erde legten. Sein Leben bei den Kriegsknechten währte nur kurz. Keine Seltenheit in einer Umgebung, die von langen Märschen, Strapazen und Entbehrungen, fauligem Brot, modrigem Wasser, von Krankheit, Hunger und Siechtum geprägt war und in der der einzige ,,Reichtum" nicht in Form von Silber und Gold, sondern in Läusen und Flöhen bestand.
,,Einer von Fünfen", stimmte der alte Söldner mit der Augenklappe in das Begräbnis ein.
,,Einer von Fünfen", antwortete der Chor der knapp 20 Kriegsknechte, bevor sie wortlos das frische Grab mit Erde bedeckten.
,,Einer von Fünfen". So lautete seit Jahrhunderten die zynische Formel, die jeder von Ihnen sofort nach dem ersten Anmustern in jungen Jahren gelernt hatte, noch bevor er seine erste Hellebarde oder Pike in die Hand gedrückt bekam. Einer von fünf Söldnern segnete das Zeitliche und zwar noch auf seinem ersten Feldzug. Nicht in einer ruhmreichen Schlacht, wie es sich die gut bezahlten Hofmaler in ihren behaglichen Palaststuben vorstellten. Auch nicht durch übermäßigen Suff, mit den Taschen voller Gold und zwei drallen Schankdirnen auf den Schenkeln, wie es die alten Männer in den Dörfern halb warnend, halb schwärmend der weltfremden Jugend erzählten. Einer von fünf Knechten starb irgendwo auf einer Landstraße, irgendwo in einem fernen Land, irgendwo am Wegesrand, ausgezehrt durch Geschlechtskrankheiten, den Blutigen Rotz oder die Schwarze Keuche. Langsam, ohne Glorie, anonym, schnell vergessen...

Das bellende Rufen des Hauptmanns riss die Trauernden aus ihrer Nachdenklichkeit: ,,Die Knechte Holzhau und Eschbach sofort zu mir!"
Toter Vogel

Ende

Die Genannten lösten sich aus der Gruppe, grüßten ihren Hauptmann halbherzig und warteten auf seine Befehle: ,,Jungens, hört mal. Es gibt Arbeit für euch. Macht euch sofort auf den Weg zur Rohdenburg, das ist wohl eine halb verfallene Feste, keine zwei Wochen Fußmarsch von hier entfernt. Da hat sich räuberisches Ungeziefer eingenistet und ihr sollt die Kammerjäger spielen. Schnappt euch eine von den großen Handkanonen, ne passende Protze, genug Pulver und Munition um Tür und Tor zu Holzmehl zu schießen und benehmt euch dort. Zwei von den Fuhrknechten warten am Lagerrand mit den Maultieren. Ne Karte der Gegend mit eingezeichneter Route bekommt ihr von denen. Noch Fragen? Nein? Wunderbar, ihr wisst was Sache ist. Gutes Gelingen, Jungens."
Nach einer knappen Pause, richtete der Hauptmann das Wort an die verbliebenen Kriegsknechte: ,,Und für euch Lumpensammler habe ich auch ne gute Nachricht. Der ausstehende Sold ist endlich eingetroffen und wird gleich ausgezahlt. Und dazu gibt es noch einen Schank Brandwein für jeden..."
Die letzten Worte gingen im allgemeinen Jubel unter. Nun war es Zeit, die letzten Strophe des alten Landsknechtliedes anzustimmen:

,,Ihr Landsknechtpack, steht ihr bald strack,
ihr trutzigen Gestalten.
Der Hauptmann führt Euch an, jeeeeetzt geht´s voran.
Der Hauptmann führt Euch an, jeeeeetzt geht´s voran.

Und wessen Körper auch immer in dem frischen Grab hinter ihnen zu modern begann, spätestens jetzt war er vergessen.
Einer-von-Fünf
LilaBlume
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